Dienstag, 15. Dezember 2009

Vom Leid der Welt verursacht durch Hohleiswürfel und zu langes Schütteln

Dieser Samstag war ein sehr anstrengender Arbeitstag im Luftschloss. Punkt 19:00 erschienen, Reservierung von 40 Personen bereits platziert und ich darauf unvorbereitet (Chef = not amused), dazu ein weiterer Tisch mit 15 Personen und der Rest des Ladens gerappelt voll. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass der 40er Tisch nie angefangen hat Cocktails zu bestellen.

Am Ende des Abends um 3:00 Uhr bekam ich dann gewissermaßen die Entlohnung für den Stress. Nach dem Besuch dreier guter Freunde betritt Daddy-O die Bar. Naja, zunächst wusste ich nicht ob ich mich freuen oder weinen sollte.

Daddy-O ist ein vielgereister Verfechter der American Bar und seit etwa 40 Jahren als Barmann tätig. Mit seinen beinahe 70 Jahren strahlt er einerseits eine große Erhabenheit über sein Handwerk aus, andererseits kann er sich auch den ganzen Abend Lang in Rage über "die Jugend von Heute", "die Bierzapfer, nicht Bartender von Heute" und die ganze Stadt Koblenz mit den nicht vorhandenen Gästen für seine kleine (wunderschöne) Bar verlieren. Das kann dann auch mal anstrengend werden. Daddy-O ist großer Rumkenner und verfügt in seiner Bar über etwa 300 verschiedene Abfüllungen. Dazu kommen auch seine verschiedenen (eigens fassgelagerten) Spiced Rum und Falernumvariationen.

Da stapft er also zu mir an die Bar, grüßt und bestellt schonmal seine obligatorische Rosé Weinschorle. Erstmal werde ich kritisch beim Arbeiten gemustert, alle "wichtigen Moves" beim Zubereiten der Drinks werden anerkennend abgenickt. Hoho, er ist zufrieden, damit ist mein Abend schonmal gerettet. Denn so leicht ist er nicht zufrieden zu stellen und wehe wenn nicht...
Also dann bestellt Daddy-O einen "schönen ausgeglichenen" Daiquiri. Gesagt getan... wieder alles abgenickt. Super :-D

Probieren... "Aha! Du hast zu lange geschüttelt. Der Drink ist verwässert." Selbst probiert. Tatsächlich! Etwas lasch, wenn man mit denen die ich zu Hause mixe vergleicht. Seit ich es vor 2 Jahren sah verlasse ich mich, und das nicht nur beim Daiquiri, auf Angus Winchesters Tipp aus diesem betörenden, durstig machenden Instruktionsvideo:


"Add lots of ice and then I'm gonna shake it as long and as hard I can!"


Und eben wie Angus schon sagt, für etwa 10 Sekunden. Hier führte diese Technik jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis. Unser Bareis ist hohl. Hohleiswürfel haben eine größere Oberfläche. Unser Bareis wird im Eisbehälter gelagert und bildet so einen Film aus Schmelzwasser auf der Oberfläche. Schon beim hineingeben ins Mixglas vermischt sich so das Wasser mit dem Drink und verwässert ihn. Daddy-O's Tipp also: Wenig Eis, kurzes Schütteln. Gleiches Daiquiri Rezept, essenziell andere Zubereitungsmethode. Unvergleichlich besseres Ergebnis! Und der Drink war gar genauso kalt wie der andere.

Daddy-O verabschiedet sich mit einiger Genugtuung sein Wissen weitergegeben zu haben und ich bin froh, auch wenn es eigentlich zu den absoluten Basics gehört, mal wieder was gelernt zu haben. Und das von ihm. Dem verschrobenen liebenswürdigen Daddy-O.


Also: Wenn man schon mit Minderwertigem Eis arbeiten muss: Wenig nehmen, nicht allzu lang schütteln!

@Einige Cocktail & Dreamsler: Etwas mehr Respekt für diesen genialen Artgenossen bitte!

Mittwoch, 9. Dezember 2009

BIRTHDAY SHOTS! *giggle* *giggle*

Vor kurzem wurde eine neue "Staffel" der beliebten Bartendersketchserie "The Bartender Hates You" veröffentlicht!

Link
Link zur ersten Staffel

Viel Spaß :D

Samstag, 5. Dezember 2009

Guter Drink mit merkwürdigem Namen.

Gestern saßen im Luftschloss zwei Herren an der Bar die nach zwei Cocktails von der neuen Karte einen Drink mit Hierbas Ibicencas wollten. Beim zweiten Versuch kam dieser wie sie fanden sehr gelungene Drink raus. Inspiriert vom Art of Choke. Wollen sie beim nächsten mal auf jeden Fall wieder trinken :)
Ich muss feststellen: Experimentierfreudige Gäste sind meine Lieblingsgäste!

Sie haben sich auch nen "genialen" Namen für den Drink einfallen lassen, das steht ihnen schließlich zu... :D


"The Masculine Cocktail"
4 cl Martinique Rhum (Saint James Royal Ambre)
2 cl Aperol
2 cl Hierbas Ibicencas
1 BL Limettensaft
1/8 Orange
4 Minzblätter
Orange mit Minzblättern leicht im Rührlas muddeln. Restliche Zutaten hinzu und kalt rühren. In einen Tumbler auf Eiswürfel strainen. Mit Zitronentwist und Minzzweig garnieren.


Hierbas Ibicencas hat eine leichte Anis-Fenchelnote und passt herrlich zu Orangenzestenaromen. In diesem Drink fügt er sich sehr schön ins Gesamtbild, während er beim ersten Drink noch etwas penetrant war.

Bild wird nachgereicht!

Unser Cocktail des Monats im Luftschloss: Hot Buttered Rum à la Bornhöft! Sehr lecker.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Mixology Bar Awards @ BCB

Die Mixology Bar Awards wurden soeben auf dem Barconvent Berlin 2009 verliehen und auf Facebook bricht ein Feuerwerk der Gratulation los:



City Award - Hamburg

Newcomer of the Year - Ferdinand Lammerer (Comida / Red Room, Wien)

Bar team of the Year - Trinkhalle München

Lifetime achievement Award - Charles Schumann

Spirit of the Year - Forgotten Flavours Swedish Punch

Mixologist of the Year - Ricardo Albrecht (Lebensstern Berlin)

Bar of the Year - Le Lion Hamburg



Ganz große Glückwünsche an alle Gewinner, vor allem Philipp, Torben, Jörg Meyer und Ricardo! Wird Zeit, dass ich mir mal ein Fläschchen Swedish Punch zulege :-D

Dienstag, 6. Oktober 2009

Neuer Arbeitsplatz



...und mein neuer Arbeitsplatz, das Luftschloss in Koblenz.




...und ich mache schon meinen Einfluss geltend:
Bald dann vielleicht einen Cocktail der Woche mit Mozart Dry? Wenn der Flaschenpreis stimmt und die Metro ihn hat gebe ich mein bestes ;)

Freitag, 2. Oktober 2009

Post aus Salzburg

Am Mittwoch morgen klingelte es an der Tür und ich musste gezwungenermaßen aus meinem schönen Halbschlaf aufwachen und aufmachen. Ein junger Herr hielt ein großes weißes Paket mit der Aufschrift "Mozart Destillerie" in der Hand. Hm... Ui.
Unterschrieben, entgegen genommen, voller Vorfreude ins Zimmer gebracht und geöffnet...

Darin befindet sich ein Geschenkset zum neuen Produkt der Mozart Destillerie, Mozart Dry. Über diese Spirituose, destilliert aus Schokoladenmazerat mit 40%, wurde bereits an vielfacher Stelle im Web berichtet (B@rgeist, Das Gastronom, Bartender Labor) und die Erwartungen sind wohl in Folge dieses Vorabbeifalls recht hoch. So will ich denn auch meinen Teil dazu beitragen.

Im erhaltenen Set befinden sich ein Ausgießer mit verlängertem Halsstück für die große Flasche, ein "spezielles" Mozart Dry Glas von der Firma Riedel, ein schmuckes Rezeptbüchlein mit Rezepten von Klaus St. Rainer und Dominik Falger die sich unter anderem nicht auf dem Webauftritt finden lassen sowie ein rundes Phiölchen Mozart Dry...

Der Slogan auf der Kartonage "Enjoy quality, not quantity" wird bei der Mozart Destillerie anscheinend ganz groß geschrieben, denn mit 5 cl werde ich meine Drinks volumentechnisch leider halbieren müssen... Zunächst jedoch einmal 0,5 cl pur genießen (Ganz wichtig: Enjoy quality, not quantity... ;-D )

Die Nase ist umwerfend kakaoig, kaum Alkohol. Ähnlich frisch gemahlenem Kakao, ohne jegliche Süße. Im Mund ist dann doch ein nicht schwaches alkoholisches Brennen vernehmbar und nach kurzen Vanille-Zimtaromen stellt sich am Gaumen derselbige trockene Kakaoton wie schon in der Nase ein. Hallt Bitterschokoladig nach, mittellang. Das Kakaoaroma war in der Nase allerdings noch sehr viel stärker präsent als am Gaumen.

Nun denn also zu den (Mini)Drinks.
Die Mozart Destillerie propagiert Mozart Dry als Basisspirituose und auf die Eignung dazu möchte ich ein wenig auf die Probe stellen. Der erste Drink beinhaltet deshalb eine weitere Basisspirituose von gleicher Menge. Mal sehen wie sich das Schokodestillat schlägt...

"Mozart Blues" - Klaus St. Rainer
20 ml Mozart Dry
20 ml Noilly Prat
20 ml Blue Gin (Ich nahm Tanqueray)
2 dashs Peychaud's Bitters
1 dash Luxardo Maraschino

Stir - strain - serve with a lemon zest
Der starke Kakaoduft des Mozart Dry weiss sich hier in Szene zu setzen und gibt dem Drink ein wunderbares Geruchsbild in Einklang mit den Ölen der Zitronenschale. Geschmacklich herrscht sehr große Ähnlichkeit zum Twentieth Century Cocktail, der Mozart Blues ist dabei allerdings weitaus komplexer, trockener und feiner. Problem: Bereits den Twentieth Century Cocktail mochte ich nicht sonderlich und dieser Drink, wenn auch, für meine Begriffe, besser, kann meine Gunst auch nicht so recht erwerben. Die Runde in diesem Drink geht an den Gin, der sich eindeutig als Rückgrat gebendes Element durchsetzt. Mozart Dry ist mehr "modifier" als "base spirit". Dafür spielt er im Duft die erste Geige.


Eigentlich hatte ich als zweiten Drink den Tabula Rasa, ein Mozart Dry Negroni, angedacht, doch ich wollte dann jetzt doch einen Drink in dem das Schokoladenaroma von den anderen Zutaten noch unterstützt und nicht möglicherweise unterdrückt wird. Meine Wahl daher:


"Miniature Chocolate Julep #2" - Klaus St. Rainer
25 ml Mozart Dry (*schnief*)
5 ml Zuckersirup (2:1)
10 Blatt Minze (Ich nahm Mojito Minze)
Zubereitung wie Mint Julep
Ausnahmsweise mal nicht im Silberbecher, weil ich das mitgelieferte Mozart Dry Glas einweihen wollte ;-).
Ein unglaublich guter Drink. Erwartet hatte ich etwas Aftereight mäßiges à la Grasshopper. Wie naiv. Die Minze verstärkt das Kakaoaroma auf gewisse Weise und der Drink ist einfach nur eine pure Explosion von Schokolade. Die alkoholische Schärfe vom Purgenuss ist nicht mehr auszumachen. Mozart Dry wird seinem Anspruch als Basisspirituose hier voll und ganz gerecht.



Mozart Dry wird sicher Anklang in der Barwelt finden. Als Basisspirituose wird er zwar schnell in den Hiuntergrund gedrängt, gibt aber gerade auch im Hintergrund eine wunderschöne Kakaonote. Ich freue mich jedenfalls schon auf meine nächste barfish Bestellung. Fragt sich nur, wie das Produkt preislich ausfallen wird.


Vielen Dank nach Salzburg für das Päkchen :)

Mittwoch, 30. September 2009

Ginger Ale

Heute habe ich zum zweiten Mal nun eine Flasche Ginger Ale angesetzt. Überschüssiges Ingwersirup lässt sich so wunderbar zu einem extrem leckeren Erfrischungsgetränk verarbeiten. Das Produkt ist begrenzt auch zum Einsatz als Ginger Beer tauglich, doch dazu mangelt es ihm ein wenig an Schärfe.

Ginger Ale, Rezept für 1,5L
150 ml Ingwersirup
50 ml Holunderblütensirup
Saft (etwa 100 ml) und abgeriebene Schale einer Orange
Saft (etwa 100 ml) und abgeriebene Schale zweier Zitronen
15 Nelken
2 TL Hefe
1,5 Liter Plastik(!)flasche stilles Wasser



Wasser aus der Plastikflasche in ein anderes Gefäß füllen. Alle Zutaten in die Flasche geben. Hefe im Wasser das ursprünglich in der Flasche war auflösen und mit dieser Mischung die Flasche wieder auffüllen, allerdings mindestens 100 ml Platz in der Flasche lassen. Kräftig schütteln. An einem warmen, dunklen Ort etwa zwei Tage fermentieren lassen vor dem Verzehr. Die Hefe wird nun Kohlensäure erzeugen, die nicht entweichen kann und somit in der Flüssigkeit gebunden wird. Das Ginger Ale ist auf seinem Höhepunkt, wenn die Flasche bei einem Daumendruck kaum noch nachgibt. Vorsicht, bei zu langer Fermentation kann die Flasche platzen. Auch Vorsicht beim ersten Öffnen.

Zum servieren durch ein Teesieb aus der Flasche ins Glas füllen. Man kann das Ginger Ale auch nach dem Öffnen in eine andere Flasche umfüllen und dabei alle groben Schwebepartikel rausfiltern, allerdings geht dabei eine große Menge an Kohlensäure verloren.

Donnerstag, 24. September 2009

Feuriges Ingwersirup

Hallo Leser! Bereits vor einiger Zeit las ich auf Drinking The World von einem Ingwersirup aus frischem Ingwersaft. Dort wird geschrieben, dass sich das Sirup im Kühlschrank mehrere Monate hält. Nun habe ich den Sirup zum zweiten mal gekocht. Nicht weil das alte leer war oder nicht mehr haltbar war... Das Problem mit frischem Ingwer ist, das er in flüssiger Form langsam aber sicher seine natürliche Schärfe einbüßt. Die alte Flasche schmeckte mittlerweile (Vor etwa einem Monat abgefüllt) einfach fad.

Trotzdem werde ich euch die Dokumentation des Ingwersirupkochens nicht vorenthalten, denn solange es nicht allzu lang geöffnet ist schmeckt es einfach grandios. Außerdem kann man damit ja auch Ginger Beer oder Falernum machen und somit auch Überschuss bevor es zu spät ist verarbeiten.


Ingwersirup - Rezept für etwa 750 ml
500 g frischer Ingwer
500 g Kristallzucker (wenn das Sirup beginnt an Schärfe zu verlieren überdeckt Rohrzucker mehr und mehr den Ingwer, daher Kristallzucker)
50 ml Wasser (sehr hilfreich beim Pürieren)


Ingwer gründlich waschen und grob in Scheiben schneiden.




Unter Zugabe des Wassers im Elektromixer oder mit dem Pürierstab pürieren.



Den Ingwerbrei in ein Seihtuch über einem Topf geben.




Alle Flüssigkeit aus dem Ingwerbrei pressen und dann das Volumen des resultierenden Ingwersafts abmessen.



Ingwersaft und gleiche Menge Zucker im Topf erhitzen und rühren bis sich aller Zucker gelöst hat.



Abfüllen und im Kühlschrank lagern.

Die Ergiebigkeit dieser Methode ist enorm, 100 g Ingwer ergeben so beinahe 100 ml Ingwersaft!!

Nach 2 bis 3 Tagen wird sich ein dichter Brei aus Schwebstoffen am Flaschenboden abgesetzt haben. Nicht filtern oder abgießen! Ich hatte bei meinem ersten Ingwersirup den Eindruck, dass auch durch die Filtration dieser Schwebstoffe ein Stück an Schärfe verlorengegangen ist. Einfach vor Gebrauch schütteln.


Wie gesagt, dieses Sirup sollte schnell verbraucht werden, und daher hier ein wunderbares Rezept von Jay Hepburn von ohgo.sh:

"Winchester"
3 cl Haymen's Old Tom Gin (Ich nahm Plymouth)
3 cl Martin Miller's Westbourne Strength Gin (Ich nahm G'Vine Nouaison)
3,5 cl Tanqueray Dry Gin
2 cl St. Germain Holunderblütenlikör
2 cl Grapefruitsaft
2 cl Limettensaft
1,25 cl Granatapfelsirup
0,7 cl Ingwersirup

Ich persönliche habe den Granatapfel und Ingweranteil jeweils noch erhöht auf 1,5 cl bzw 1 cl. Ein sehr gelungener Gin Tiki Drink! Auf, hopp, Jay danken für dieses Rezept! ;-)


Dienstag, 22. September 2009

Des Bartenders Freund und Helfer

Dieses Kleinod von Limettenpresse erwarb ich kürzlich in doppelter Ausführung bei barstuff.de, einmal für meinen Mitblogger André zum Geburtstag, er ist junge 21 geworden, und einmal natürlich für mich selbst. Harrharrharr. Meine Pressto Limettenpresse habe ich vor ein, zwei Monaten kaputt gekriegt, als ich auch den letzten Tropfen Saft aus einer armen kleinen grünen Zitrusfrucht herauswringen wollte.

In der Zeit ohne Limettenpresse ist mir aufgefallen wie mühsam es doch von Hand ist und so habe ich mir denn dieses tolle Exemplar, das durch einen klappbaren Einsatz sowohl Zitronen als auch Limetten presst, angeschafft. Ansonsten ist sie von gleicher Machart wie die Pressto Presse. Da kann ich nur hoffen, dass diese mir nicht bricht. Trotzdem. Für 11,98€ klare Empfehlung von mir!


Sie kann allerdings mit der Sexyness dieser alternativen Saftpresse, besonders in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen, auf keinsten mithalten. Wie geil die erst aussieht nach einem feuchtfröhlichen Abend, wenn sie bereits für etwa 10 Früchte herhalten musste ;-D

Montag, 7. September 2009

Web und Inhalt

Homemade Orange Bitters - Kleines aber feines Video gefunden bei CHOW. Neutralalkohol, Overproof Rum oder hochprozentiger Wodka bieten sich wohl am besten an.
Über 500 Sodagetränksorten - Jonas fand dieses Video, erinnert sehr an die eigene Hingabe für flüssige Genüsse :-)
Bols Genever Werbevideo - Die Stimme des Sprechers finde ich ja nicht so prickelnd. Irgendwie mag ich die Flasche jetzt doch nicht mehr kaufen :-(

La Florida Cocktail Book 1939
Angostura Professional Mixing Guide 1949 - Zwei eBooks hochgeladen von Jörg Meyer. Als PDF bei scribd runterlad- und so auf der Festplatte verewigbar!

There's a riot going on in the cocktail world
- Wunderbar geschriebener Blogeintrag eines Bostoner Bar- und Restaurantkritikers, der das Phänomen der anspruchsvollen Cocktailkunst perfekt beschreibt.
Premium Cocktails & Brandname Spirits - Gefunden auf dem Gastronom. Sehr amüsanter Blogeintrag über vermeintlich coole Drinkbestellungen.

Das Internet-Manifest
- 17 von Journalisten zusammengetragene Phrasen, die die Grundregeln und -methoden des Journalismus im neuen Gewand des World Wide Web festhalten. Gefunden auf mixology.eu
http://dubistterrorist.de/ - Apropos Grundregeln des Internets, der Meinungsfreiheit und der Privatsphäre.

Donnerstag, 3. September 2009

Georgia Mint Julep with a twist

"There are many varieties, such as those composed of Claret, Madeira, etc.; but the ingredients of the real mint-julep are as follows. I learnt how to make them, and succeeded pretty well. Put into a Tumbler about a dozen sprigs of the tender shoots of mint, upon them put a spoonful of white sugar, and equal proportions of peach and common brandy, so as to fill up one third, or perhaps a little less"
Frederick Marryat, A Diary In America (1939)


Der Georgia Mint Julep wird in Ted Haighs Vintage Spirits and Forgotten Cocktails als mögliche Urform des Mint Julep gepriesen. Eine potente Liason aus Cognac, Peach Brandy, Zucker und Minze. Die erste schriftliche Dokumentation des Mint Julep als solchem geht auf das Jahr 1803 zurück. Besagter Peach Brandy, so Ted Haigh hatte nichts mit dem heutigen süßen Likör auf Pfirsichbasis zu tun, sondern war vielmehr ein echter, gealterter Pfirsichbrand. Als Anmerkung findet man darauf, das zu Zeiten der 20iger Jahre dann auch vermehrt Quellen darauf hinweisen, dass mit süßem Peach Brandy UND auch Apricot Brandy gemixt wurde. An diesem leicht abgewandelten Georgia Mint Julep mit Apricot Brandy habe ich mich die Tage versucht.



"Georgia Mint Julep, Apricot Twist"
4 cl Cognac (z.B. Frapin V.S.O.P.)
2 cl Apricot Brandy (z.B. Marie Brizard Apry)
10 bis 15 Blatt mentholarme Minze
Mengen je nach Bechergröße anpassen!


1. Minze mit einpaar Tropfen des Apricot Brandy im Silberbecher leicht andrücken und die Innenwände des Bechers mit dem feinfrischen Aroma benetzen.
2. Eis frisch crushen: Sehr kalte Eiswürfel in ein Handtuch legen und auf einer festen Unterlage mit einem Knüppel oder Hammer zertrümmern. Silberbecher etwa zur Hälfte mit crushed ice befüllen. ACHTUNG: Ab diesem Augenblick sollte der Silberbecher nur noch am Sockel berührt werden, damit sich die Frostschicht auf dem Silber gleichmäßig bilden kann.
3. Cognac hinzugeben und verrühren.
4. Ein weiteres mal mit crushed ice befüllen, fast voll machen. Apricot Brandy dazugeben und rühren. Es sollte sich nun eine Frostschicht an der Außenwand bilden.
5. Kurzen Trinkhalm am Becherrand platzieren. Restliches crushed ice zum Bau eines fetten Eisbergs auf dem Drink verwenden. Reichlich Minzzweige leicht in der Hand anklatschen und neben dem Trinkhalm platzieren. Fertig. Wetten abgeben, Pferderennen angucken, Jubeln, Genießen.

Kentucky Spearmint

Ein toller Drink, der auch optisch sehr überzeugt. Seinem berühmten Bruder, dem Mint Julep mit Whiskey ebenbürtig. Lediglich weniger Ecken und Kanten sind hier auszumachen, die manche Trinker so reizen. Stattdessen eine runde Fruchtigkeit. Der Drink gewinnt zunächst durch Verwässerung, trotzdem sollte man schnell trinken, denn irgendwann ist es zuviel des Wassers.

Wie man sieht, ist der Zucker hier nicht von Nöten, der Aprikosenlikör bringt genügend Süße mit. Als Minze möchte ich Kentucky Spearmint empfehlen, und dass nicht nur wegen ihrer Herkunft. Sie hat ein schön erdiges Aroma, wenig Menthol und viel von diesem... naja Minzaroma halt.


Georgia Mint Julep nebst Gin-Basil Smash mit "Queen of Sheba" Basilikum



Boah, komm teilweise gar nicht mit dieser ollen Textformatierung klar, schrecklich!

Cocktails allein daheim genießen?

Tachchen!
Es geht um ein heikles Thema: Zu welchem Anlass drinkt man Cocktails?
Präziser: Ist es eine Banauserei ,seinem Körper in Abwesenheit anderer Personen Cocktails zuzuführen?
Wir kamen letztens in der Stadt kurz auf dieses Thema, während ein Fajita Pita verzweifelt versuchte seinen Untergang (in unsre Speiseröhre) so lange wie möglich hinauszuzögern-oder es lag doch an der Schwerkraft, die der Bedienung einen Streich spielte;)
Wie dem auch sei- auf jeden Fall beschäftigt mich das Thema irgendwie immer noch.
Wie stark ist der Alkoholfaktor im Vergleich zum Genuss? Wo ordnet man den gesellschaftlichen Aspekt des Cocktails ein?Und rechtfertigt der Spaß am Schütteln- oder eindeutiger Shaken- den nachfolgenden Verzehr?
Besonders für mich, der ich tendenziell viel,viel,viel trinke,wenn ich mit dem Schlabbern erst mal begonnen hab, erscheint es mir notwendig, den Alkoholaspekt zu betrachten.
Eigentlich war ich der Meinung,dass der Genuss den einsamen Verzehr rechtfertigt, ähnlich wie andere Genussmittel, die prinzipiell schädlich sind (Schokolade,Wasserpfeiffe.....).
Aber wenn man sich die Wurzeln und den ursprünglichen Zweck auch anderer Genussmittel anschaut,steigt man dahinter,dass der gesellschaftliche Aspekt als Grundlage nicht überschritten werden sollte.
So ist die gemüterlockernde Wirkung des Alkohols, gleich dem leicht benebelndem und verbindendem Genuss der Shisha, im Kern meiner Meinung nach anlassbindend!
d.h. Einsame Cocktails sin an sich tabu-es sei denn in Ausnahmesituationen:Herzschmerz etc.!
Wie haltet ihr es mit dieser Problematik?
Über Posts würde ich mich sehr freuen!

Mittwoch, 2. September 2009

Geht gar nicht.

Wer kennt sie nicht, die größten Lustig- bzw. Traurigkeiten die man in manchen Bars erleben kann, wenn es um Cocktails geht. Links geht's zur Umfrage.
Falls euch noch was einfällt, schlagt vor ;-)

Sonntag, 23. August 2009

Die Lösung für das Problem mit dem 1/2 Eiweiß in Rezepten


Ein eigener Hühnerstall hat so seine Vorteile.

Samstag, 22. August 2009

Hurricanerohstoff

Der Hurricane, ein ähnlich dem Mai Tai bastardisierter Cocktail, von dem es abertausende Rezepte gibt, die wohl lediglich den Rum als Zutat gemein haben, ist bei mir nach dem ersten Mixen zusammen mit André zuletzt zu einem meiner Lieblingsrumdrinks avanciert.

Ob Originalrezept oder nicht, darüber will ich gar nicht groß streiten. Ich möchte hier einen Drink, in dem beide Geschmacksgeber überzeugen. Daher halte ich mich an die simple Kombination aus Rum, Maracujasirup und Limettensaft. Ein Rum Sour mit fruchtigem Twist.

"Hurricane"
3 cl weißer Rum
3 cl Rumkraftbündel wie Long Pond oder Appleton Extra
3 cl frischer Limettensaft
3 cl Maracujasirup (wenn recht süßes Sirup, dann nur 2 bis 2,5 cl)

1. Alle Zutaten in den Shaker geben und auf viel frischem Eis schütteln dass die Hände anfrieren.
2. In ein bauchiges Glas oder einen Tumbler auf crushed ice abseihen und mit einem Limettentwist garnieren. Cheers!

Nun habe ich in Erinnerung, dass ich in meinen Anfängen als Hobbymixer auch mal eine kleine Flasche Monin Maracujasirup erstanden habe und dieses abscheulich süß und künstlich geschmeckt hat. Eine Wiederholung dieses Kaufs kommt für den Hurricane also auf gar keinen Fall in Frage. So nahm ich mir denn die Muße dem örtlichen gut sortierten türkischen Obsthändler einen Besuch abzustatten und kaufte 3 Maracujas à 1€. Happiger Preis, aber das war es mir wert.



"Maracujasirup"
Man nehme
125 g Kristallzucker
100 ml Wasser
10 ml Zitronensaft
3 Maracujas
ergibt etwa 150 ml Sirup

1. Wasser, Zitronensaft und Kristallzucker in einen Topf geben und bei mittlerer Hitze zum Simmern bringen. Gelegentlich umrühren.
2. Maracujas längs halbieren und Inhalt in eine Schale Löffeln.
3. Fruchtfleisch in der Schale sachte mit einem Stampfer andrücken sodass die Zellwände den Saft freigeben.
4. Wenn sich aller Zucker im Wasser gelöst hat, Fruchtfleisch dazu geben.
5. Gelegentlich rühren. Nach etwa 5 Minuten ist das Sirup fertig. Durch ein Teesieb oder ein Leinentuch in eine Flasche abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren.

Interessant ist, dass das Fruchtfleisch eine sehr ölig-klebrige Viskosität aufweist und somit das Sirup auch eine ungewohnte Textur haben wird.

Ich machte übrigens auch noch einen Test bei dem ich ein zweites Sirup, hergestellt aus einer Supermarktmaracujasaft Reduktion und Zucker, gegen das obere im Hurricane verglich. Wie zu erwarten, hat dieses Sirup keine Chance gegen das aus frischen Maracujas. Zwar ist der Maracujageschmack im Hurricane damit stärker, allerdings ist es ein nicht so authentischer Maracujageschmack. Der Hurricane mit Sirup #1 lässt am Gaumen dem Rum erstmal Platz und rundet dann seine Ecken und Kanten mit seiner angenehm aromatischen Fruchtigkeit ab. Sirup #2 hat lediglich einen satten Maracujanachhall.


Auf gutes nachkochen und -mixen!

Donnerstag, 20. August 2009

Preisvergleich von Onlineshops

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und 7 Onlineshops und insgesamt 27 Spirituosen in einer Excel Tabelle festzuhalten zwecks Preisvergleich. Die gewählten Spirituosen sind Marken aus diversen Spirituosenklassen die ich entweder sehr schätze, oder von denen ich bisher so gut wie nur positives gehört habe sowie einpaar no-brainer die in jede Bar gehören.


Die gewählten Onlineshops:
www.barfish.de 5,90€ Versand, frei ab 125€
www.weinquelle.de 5€ Versand, frei ab 125€
www.banneke.com 6€ Versand
www.getraenkewelt-weiser.de 5€ Versand, frei ab 150€
www.big-market-shop.de 9€ Versand
www.drinkology.de 5,80€ Versand, frei ab 120€
www.thewhiskyexchange.com (England)


Hier geht's zur Tabelle, einfach klicken.
Kursiv bzw. grau bedeutet, dass die Preisangabe sich auf eine abweichende Abfüllmenge bezieht aber auf die Vergleichsmenge umgerechnet wurde. Fett und grün ist der niedrigste Preis.



Am unteren Ende der Tabelle ist die durchschnittliche Preisabweichung angegeben. Der Big Market Shop schneidet hier mit seiner feinen Auswahl and günstig angebotenen Spirituosen mit satten 11% durchschnittlichem Preisvorteil am besten ab, während Barfish als einer der umfangreicher sortierten Shops (was gängige Cocktailzutaten angeht) mit 4,7% Vorteil gegenüber dem Rest am besten abschneidet.
Im Nachhinein wurde ich noch auf die 9€ Versandkosten beim Big Market Shop aufmerksam gemacht, welche natürlich kein Zuckerschlecken sind.

Ich möchte anmerken, dass mich die Suchfunktion von Weinquelle einige Nerven beim erstellen dieser Tabelle gekostet hat. Einfach mal "Saint James" eingeben und ihr wisst was ich meine.



Diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr ;-)
Hoffe die Tabelle bringt euch irgendwelchen Nutzen, hat sehr viel Arbeit gekostet.

Mittwoch, 19. August 2009

Zuwachs

Ich bin stolz anzukündigen zu können, dass von heute an ein zweiter Schreiberling und Cocktailenthusiast Einträge auf Glas und Inhalt veröffentlichen wird. Ladies and Gentleman, please welcome Mr. André Weißenfels:




André ist ein langjähriger Freund und wir teilen das Hobby Mixen seit wir gleichzeitig vor etwa dreieinhalb Jahren damit begannen. Noch heute wird er sich (hoffentlich) mit einem ersten Beitrag die Ehre geben. Es geht dabei um einen außerordentlich leckeren Rum und eine verschollene Zutat, wie Glas und Inhalt unlängst berichtete.


Da ist wohl was schiefgegangen mit dem Timing

PALIM, PALIM....

"Bin ich jetzt schon drin, oder was?
Oh! Das war aber einfach!"

Tachchen! Obwohl ich mich mit Computern und Internet wahrscheinlich noch schlechter auskenne als der gute alte Bobbel, hat es mir der Herr Neideck alias Avarax ermöglicht, auf seinem Blog zu posten (wenn man das so nennt)!
Kurz zu meiner Person: Ich heiße André Weißenfels, bin 20, und hab mit euch etwas gemeinsam.
Damit meine ich jetzt nicht die Cocktail-Obsession. Ich höre mir gern an,was andere sagen, und gebe meinerseits selbst gern meinen Senf/Angostura dazu!

Anlass für meinen Jubiläums-Eintrag liefert der letzte Sonnabend.
Ruben hatte spontan frei bekommen und da sich seit geraumer Zeit auf eine Empfehlung von Trinklaune hin der Long Pond Distillery Trelawny (bis dato unangetastet) in meinem Besitz befand, war der Verlauf des Abends vorherbestimmt:
Rasch einige Limetten organisiert und zu mir nach Hause!
Obwohl natürlich neben dem Rum noch weitere Spirituosen und diverse Cocktails geschlabbert wurden möchte ich hier nur vom Long Pond berichten. Das hat zwei Gründe:
Zum einen stellte der LP definitiv den Höhepunkt des Abends dar, zum andern ist meine Ein-Finger-Tastatur-Hacktechnik nicht so effektiv wie man vielleicht glauben mag!

Zurück zum Thema- Erster Cocktail: Der Mai Tai

6 cl Long Pond
2 cl Cointreau
3 cl Limettensaft
1,5 cl Mandelsirup

Geschüttelt und ab auf kleine Eiswürfel!


Der optische Eindruck:
Unser Mai Tai wird Rubens ausgeprägtem Sinn für Ästhetik in keiner Weise gerecht- "Da würd ich aus Prinzip 2 dahes Angostura reinkippen!". Tatsächlich leuchtet es aus dem Glas gelb wie Limonade. Zusammen mit der Tatsache, dass jegliche Verzierung am Glas fehlt, macht das den Drink unspektakulär und so gar nicht Mai Tai-like.

Der Geschmack:
Umso unerwarteter fliegt einem der Cocktail um die Ohren!
Zuerst erwischt einen der Rum volle Breitseite- Fruchtig!Alkoholig!Intensiv!
Langsam kommen die Orange, dann das Mandelaroma zum Vorschein, um später wieder den tieferen Noten des Rums zu weichen, die unheimlich lange nachwirken.Mir schmeckt der Rum im Abgang nussig und ein ganz klein wenig malzig, Ruben meint etwas Kaffee wahrzunehmen.
Der beste Mai Tai den ich je getrunken hab! Explosiver als mit Rubens geliebtem Appleton Estate Extra, der dafür etwas dunkler (nicht nur in der Farbe;) )ist!



Der zweite Cocktail: Hurricane

3 cl Long Pond
3 cl Ron Botran Etiqueta Blanca (Weißer Rum)
3 cl Limettensaft
2,5cl Maracujasirup (eig. 3 cl)

Optik:
Ein fruchtiges Orange in Crushed-Ice-Kristallen!
Ansprechender als der Mai Tai, auch wegen der von Ruben kunstvoll gedrehten Limettenzeste.

Geschmack:

Ruben stellt es direkt fest: Im Grunde gleich strukturiert wie der Mai Tai!
Der Rum klatscht einem erst einmal ins Gesicht und macht klar,wer der Herr im Glas ist.
Dann schmeckt man das Sirup und der Ausklang ist ähnlich rummig.
Einen klaren Unterschied gibt es jedoch zum Mai Tai:
Es ist schwer zu sagen, wo der Rum aufhört und die Maracuja anfängt-der Mai Tai ist kantiger!
Auch der weiche Ron Botran macht den gesamten Drink viel runder.
Eine glatte Alternative zum Tiki-Kollegen, der von mir dennoch klar favorisiert wird!



Fazit:
Der Long Pond ist ein absoluter jamaikanischer Charakter-Rum! Er sorgt im Cocktail für abenteuerlichen Zündstoff und ist erschwinglich!
Kaufen!!!!!!!





So, das reicht erst mal!Ich hoffe ihr findets interessant (ich will Kommentare;)).
Achso, zum Schluss noch ne kleine Blog-Programminfo:
Der Ruben hat nen Post zu Maracujasirups vor mit Vergleich usw.!

Montag, 10. August 2009

Ich muss mein Recht als Gast mehr einfordern.

Nach meinem heutigen Feierabend um 23:00 Uhr bin ich mit einem guten Freund noch durch die Gassen Koblenz gezogen, um - ich war nicht scharf drauf - noch auf einer Salsa Party in einem Tex Mex Restaurant zu landen. Da ich selbst heute die ganze Zeit hinter der Theke stand, allerdings noch keinen Feierabenddrink zu mir genommen hatte wollte ich dies nun hier nachholen. Nach studieren der Cocktailkarte mit den üblichen Verdächtigen wie Frozen Strawberry Margarita, Sex on the Beach und Long Island Iced Tea glitt mein Blick über die doch sehr schmucke Spirituosenauswahl auf dem Backbord mit schönen Tequilas und anderen Kostbarkeiten.

"Nun gut, das lässt hoffen" dachte ich mir da und bestellte einen, auf der Karte nicht vermerkten, Sidecar. "Was ist das?" Mist. Naja.
"Brandy (warum habe ich nicht Cognac gesagt, warum nur???), Zitronensaft und Cointreau."
""Mit O"? Saft?"
"Nein, Coin-treauuuuu"
"Ok, mach ich dir."

Nach 3 Minuten in denen ich den leidenschaftlich tanzenden Paaren zusah stand denn auch mein Drink vor mir. Im Caipiglas mit Eiswürfeln. War mir egal, solang er gut schmeckt. Hat er aber nicht, irgendwie nach Aprikose und total süß und gar nicht nach Branntwein. Fies. Ahja. Da hat er wohl Apricot BRANDY genommen und natürlich den alseits beliebten Pulco Zitronensaft. 7,30 € kostet mich der Spaß. Super!

Auf in die nächste Bar, der einzige Lichtblick (neben Daddy-O's) in der gesamten Koblenzer Barszene, das vor etwa 3 Monaten eröffnete Luftschloss mit beeindruckendem Interieur aber bisher noch wenig Kundschaft. Der Barkeeper der dort sonst jeden Abend arbeitet hat an dem heutigen Sonntag frei wie man mir mitteilt, wegen einem TuS Koblenz Spiel :-)

Wir sind die einzigen in der Bar und als ich die Cocktailkarte zur Hand nehme sagt ein Herr:
"Komm, ich mix dir nen Spezialcocktail. Wenn's dir nicht schmeckt musst du nicht bezahlen."
"Ääääääh"
"Komm, wie magst du's?"
"Nicht fruchtig, nicht süß... Kannst du mir was mit Chartreuse mixen?"
"Was?"
"Die grüne Flasche da ganz hinten rechts."
"Äh, ok."


3 Minuten später steht eine grenadinerote Plörre im Hurricaneglas vor mir. Schmeckt eindeutig nach Chartreuse, aber auch extrem süß und extrem versaftet. Ein Sex on the Beach mit Chartreuse, so muss man sich das vorstellen. Nach 3 Schlücken lasse ich ihn dann stehen. Alle anderen haben ihr Bier bereits getrunken und wollen nun gehen. Zögernd schiebe ich dem Mixer die Zuckerbombe zu und entschuldige mich vielmals, aber es würde mir nicht schmecken.

"Ja, normalerweise kommt da ja auch Wodka rein."


Als wir gehen ruft der Herr der abgerechnet hat energisch "Und wer bezahlt jetzt den Cocktail?" Dumm wie ich bin, gehe ich zurück und bezahle 7€.

Tja. Und jetzt sitze ich hier und ärgere mich zu Tode. Einen Cocktail mit Brandy bestellen und Apricot Brandy bekommen. Angeboten bekommen, nicht zu bezahlen, wenn es nicht schmeckt, und doch bezahlen. Warum lass ich mir überhaupt nen Cocktail aufschwatzen wenn abzusehen ist, dass das nichts wird. Irgendwie bin ich blöd. In beiden Fällen hätte ich mein Geld behalten sollen. Andererseits hat mir das nun wirklich alle Illusionen genommen: In Koblenz gibt es einfach keine guten Barkeeper (Ausnahmen wurden bereits genannt).

Dienstag, 4. August 2009

Gin-Basil Smash Blindtasting

Vor etwa einer Woche gab es in der lauschigen WG-Küche meines Vaters ein spontanes Gin-Basil Smash Blindtasting nachdem ich mit einem Freund verabredet hatte, dass alle verfügbaren Gins von zuhause mitgebracht werden. Ausgestattet mit Gin, drei Töpfen Basilikum und Mixbesteck machte ich mich abends auf den Weg. So kamen wir denn auf insgesamt fünf verschiedene Flaschen Gin. Ein dritter Kumpane der zu uns stoß erklärte uns für Verrückt, wollte aber trotzdem gerne mitmachen, zumal es doch sein Lieblingsdrink ist.

Die ganze Testerbaggage. Von links nach rechts: Ludwig, Judith (neutrale Hilfstesterin), André, Ruben (ich), Hilfstester dessen Name mir entfallen ist :-D Es ist schwer fünf Leute so auf ein Bild zu bekommen.


Nun stellt sich bei einem Tasting eines Cocktails mit verschiedenen Spirituosenmarken eine grundlegende Frage, wie mir beim Lesen des Sidecar Workshops auf dem Bartender Labor bereits bewusst wurde:
Welches einheitliche Rezept benutzen wir für den Test?

Bei einem Gin-Basil Smash gestaltet sich das ganze natürlich noch ein wenig schwieriger als bei Drinks, die lediglich aus dreierlei Flüssigkeiten bestehen: Es ist schwer, immer das gleiche Maß an Basilikumgeschmack zu erreichen. Da wir auch keine Feinwaage oder dergleichen zur Verfügung hatten entschieden wir uns für folgende akribische Methode :-D

"Gin-Basil Smash"
5 cl des jeweiligen Gin
2,5 cl Limettensaft (jaja, im Original werden Zitronenstücke mit im Shaker gemuddelt...)
2 cl Zuckersirup (1:1)
25 Blätter Basilikum

1. Person #1 pickt mit penibelster Genauigkeit 25 Blätter möglichst gleicher Größe vom Strauch.
2. Person #2 muddelt stets genau 60 Sekunden. Stets mit der selben Liebe. Stets mit der selben sanften aber bestimmten Kraft. Da diese Person in einer Bar mit erhöhtem Schwulenanteil arbeitet, fällt das sicher leicht.
3. Person #3 shaked stets mit gleicher Wucht, Länge und Technik, um bei jeder Mischung die gleiche Kühlung und Verwässerung zu erreichen.
4. Serviert wird stets straight-up ohne Eis und sofort verkostet.

Wie man schon sieht fließen letztendlich so viele Faktoren der Ungenauigkeit in diesen Test ein, dass man das Ergebnis nicht ganz ernst nehmen muss, aber es war doch sehr interessant. Wenn man nicht weiß, wie teuer der Gin war, den man gerade mittels Cocktail zu sich nimmt, ist die geschmackliche Rezeption einfach anders... neutral, könnte man wohl sagen. Bewertet wurde auf einer Skala von 1 bis 10.


Unsere Testkandidaten für die Blindverkostung waren:
G'Vine Nouaison (43,9%) 42,92 € pro Liter
Bombay Sapphire (47%) 21,95 € pro Liter
Tanqueray No. 10 (47,3%) 31,95 € pro Liter
Plymouth (41,2%) 19,95 € pro Liter
Finsbury Platinum (47%) 20,95 € pro Liter
Alle Preise übernommen von barfish.de


Smash #1 schmeckte für uns alle drei etwas penetrant, eben nur nicht nach dem gintypischen Wacholder. Der Basilikum wurde von diesem undefinierbaren Geschmackston nicht ergänzt oder unterstützt und es fiel uns relativ leicht hier unser Urteil zu fällen. Außerdem unangenehme Bitterkeit.
Durchschnittspunktzahl:
3,6

Smash #2 war recht dezent mit verhaltenem Wacholder und Zitrus, der Basilikum konnte sich aber gut entfalten. Es hat einfach ein wenig Pepp gefehlt.
Durchschnittspunktzahl: 6,3

Smash #3 ist ein erster großer Lichtblick. Alles stimmt zusammen und man schmeckt endlich Gin. Von hier an wurde dieses Glas stets als Referenz genommen und es war schnell leer.
Durchschnittspunktzahl: 7,6

Smash #4 gibt sich süßer als die anderen und mit einer wuchtigen Dosis Basilikum, hintergründig schönes Wacholder. Mein persönlicher Favorit, da der Basilikum so wunderbar einschlägt.
Durchschnittspunktzahl: 8

Smash #5 ist sehr wacholderbetont. Bei diesem schmeckt man den Gin sehr stark raus, aber auch der Basilikum ist wahrnehmbar. André kommt dieser Geschmack bekannt vor, denn, wie sich später rausstellt, ist es sein mitgebrachter Gin. Nicht mein Fall.
Durchschnittspunktzahl: 7,3

Klicken zum Vergrößern


Oh und was haben wir nun da? Der florale französische G'Vine, teuerster Gin im Feld und stehts empfohlen als Basis eines Gin-Basil Smash, schneidet erbärmlich ab. Lediglich die Dame schmeckt das Geld bzw. der blumige Geschmack sagt ihr zu ;-D
Sieger des Tastings, ist durchschnittsmäßig Plymouth, aber meine Mittester favorisieren, trotz meines wehementen Widersprechends, eher noch den Finsbury Platinum.
Der Tanqueray No. 10 ergibt einen insgesamt sehr schönen runden Gin-Basil Smash und hat sich daher durchschnittstechnisch auch den zweiten Platz ergattert.
Bombay Sapphire macht erwartungsgemäß einen eher langweiligen Drink.


Ich hoffe, ihr konntet diesem Testbericht etwas abgewinnen. Uns hat es auf jeden Fall jede Menge Spaß bereitet und wir waren verblüfft und entzückt über die Unterschiede, die sich von Glas zu Glas aufzeigten.

Jungbrunnen die Zweite

Nach Feedback von meiner Freundin und drum-drum habe ich den Jungbrunnen nochmal ein wenig ausgeglichener gemacht. Aus einer Grapefruit und einer Limette kann man normalerweise genau zwei mixen. Außerdem hab ich auch mal meinen Fotoapparat ausgepackt.


"Jungbrunnen" Version 2
1/2 Limette
1,5 BL Kristallzucker
5 Salbeiblätter
12 cl frisch gepresster pink Grapefruitsaft

1. Zucker und Limette mit Salbeiblättern stößeln.
2. Glas mit cracked ice auffüllen und mit Grapefruitsaft auffüllen.
3. Rühren , mit Salbeizweig und Grapefruitspalte garnieren und in der Sonne genießen.

Freitag, 31. Juli 2009

Jungbrunnen

Ich muss gerade mal den besten (es geht nichts über Eigenlob) alkoholfreien Cocktail zwischenreichen, den ich je getrunken hab. Leider ohne Bild.


"Jungbrunnen" ©2009 by Ruben Neideck :-D
1 BL Kristallzucker
1/2 Limette
7 Salbeiblätter
10 cl frisch gepresster pink Grapefruitsaft

1. Zucker und Limette mit Salbeiblättern stößeln.
2. Glas mit cracked ice auffüllen und mit Grapefruitsaft auffüllen.
3. Rühren , mit Salbeizweig und Grapefruitspalte garnieren und in der Sonne genießen.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Endlich, endlich...

...endlich war mein Beet zur Ernte bereit.
Zufälligerweise sogar 3 Tage vor seinem einjährigen Jubiläum mixte ich gestern Abend für mich und meine Liebste den exotischen Bruder meines geliebten Gin-Basil Smash (Wohl ein Blogeintrag der Cocktailgeschichte schrieb), den Red Basil Smash.

Das Problem mit diesem Drink, das ist wohl einleuchtend, ist leider die Verfügbarkeit von rotem Basilikum. Vor bereits etwa 3 Monaten habe ich bei Rühlemann's drei verschiedene Sorten Minze in Planzenform und Saatgut für grünes Basilikum "Queen of Sheba" (Auf dem obigen Bild rechts, noch nicht verkostet) sowie für rotes Basilikum "Osmin" bestellt. Mit einem gekauften roten Basilikum hatte ich bereits einmal Pech, die Farbe des Smashs war letztendlich graubraunlila und der Geschmack entsprechend. Daher also auf gut Glück eine der vielen roten Sorten bei Rühlemann's ausgewählt und eingepflanzt (Diese Torfquelltöpfe hier sind einfach genial zum Vorzüchten).

3 Monate lang habe ich also vorgezüchtet, umgepflanzt, Unkraut gerupft, nur für diesen Trank.

Während sein "gewöhnlicher" Verwandter mit dem handelsüblichen Genoveser Basilikum gemischt und durch das Chlorophyl giftgrün wird, erstrahlt der Red Basil Smash in einem unglaublichen Rosarot von der Art, das wahrscheinlich jede Dame nur beim Anblick lechzen lässt. Und das, ohne irgendeinen fiesen Farbstoffsirup!
Eine einfach wunderbare Komposition aus Gin, Limette (im Original Zitrone), Zucker und rotem Königskraut.

Das rote Basilikum duftet und schmeckt definitiv anders. Pfeffriger, ein Hauch Zimt und Erde, etwas weniger typischer Basilikumgeschmack als beim grünen Genoveser Basilikum. Das Basilikum Osmin (zurzeit leider ausverkauft) bekommt von mir höchstes Lob und Empfehlung für die Nutzung im Red Basil Smash!

Als Gin für den grünen Gin-Basil Smash war der ungewöhnlich florale G'Vine Nouaison stets die große Empfehlung, und dem pflichte ich bei. Mit dem definitiv würzigeren roten Basilikum braucht es meiner Meinung nach allerdings einen Gin, der mit etwas mehr Kraft und Wacholder dagegen halten kann. Ich würde sagen, Beefeater (47%!!!) oder Tanqueray Ten sind hier eine sehr gute Wahl, es darf nicht zu wacholderig werden, gerne aber mit Zitruszestennoten.

"Red Basil Smash"
6 cl Gin
2,5 cl Limettensaft (im Originalrezept von Jörg Meyer Zitronensaft)
2 cl Zuckersirup (1:1)
Etwa 30 Blätter rotes Basilikum (Entspricht der Menge von 2 bis 3 Basilikumzweigen)

1. Basilikum mit Zuckersirup (als aromaabsorbierendes Medium) in die Shakerunterhälfte geben und kräftig zerstößeln, wir wollen Pesto und vor allem wollen wir viel leuchtend Rosarot!
2. Restliche Zutaten hinzugeben und auf viel Eis energisch schütteln. "You don't want to put the Cocktail asleep, you want to wake it up!"
3. Finestrain in einen mit Eiswürfeln gefüllten Tumbler durch sowohl Bar- als auch Küchensieb um jedes noch so kleinste Basilikumfitzelchen zurückzuhalten.
4. Drehen Sie sich in Richtung Hamburg und heben Sie Ihr Glas in einer leichten Verbeugung. Genießen Sie, Cheers!


Vielen Dank an Jörg Meyer für einen tollen Drink und eine geniale Bar. Gruß an Torben "Ding!" Bornhöft, ein wunderbarer Gastgeber, dessen Tips zum Filtern von Falernum mittlerweile Früchte tragen :-D

Wie oben zu sehen ist, musste für diese zwei Drinks bereits die Hälfte meines Beets dran glauben.

Sonntag, 26. Juli 2009

Kola Tonic

Nachdem ich bereits im letzten Blogeintrag über eine vergessene Cocktailzutat sinniert habe, kommen ich heute afugrund auf einer C&D-Forendiskussion zu einer etwas interessanteren Ingredienz als Maracujasaft. Mein geliebtes Falernum muss wohl noch warten.



Kola Tonic ist eine Art Colasirup mit Auszügen aus der Kolanuss. Ich stolperte darüber beim Lesen von Ted Haigh's "Vintage Spirits & Forgotten Cocktails". Dort wird der Filmograph Cocktail aufgeführt, eine Vermählung aus Brandy, Zitronensirup und ebendiesem mysteriösen Kola Tonic:


Filmograph Cocktail
6 cl Brandy
2 cl Lemon Syrup (Substitute fresh lemon juice unless you like to drink maple syrup out of a can)
1,5 cl Kola Tonic


Kola Tonic ist laut Ted Haigh besonders in Südafrika sehr beliebt. Die Idee, ein konzentriertes Colaaroma in einem straight up Drink zu verpacken sagt mir persönlich sehr zu. Leider ist es in unseren Breiten nur per Bestellung über's Internet erhältlich.


Da packte mich dann doch glatt mein Do-It-Yourself Trieb. Meine Idee war einfach aber ein meiner Meinung nach guter Ansatz. Ich reduzierte Coca Cola zu einem Konzentrat, indem ich sie bei mittlerer Hitze simmern ließ, bis 75% der Flüssigkeit verdampft war.
Coca Cola hat hier leider einen unpassend hohen Anteil an Zitronen- und Phosphorsäure, wodurch das entstehende Konzentrat etwas zu sauer wird.


Nach dem zweiten Versuch und einem ersten Filmograph Cocktail bin ich nun bei diesem dritten Rezept hängen geblieben, basiert auf einem sehr konstruktiven Beitrag in der Forendiskussion von Hannibal, der auch das "echte" Kola Tonic besitzt:

Kola Tonic
300 ml Cola (Ich nahm Sinalco. Interessant wäre sicher Red Bull Cola, welche Kolanussextrakt enthält)
5 ml Angostura
Inhalt von 3 Kardamomschoten, zermörsert
1/2 Kaffeebohne, zermörsert
Großes Stück Orangenzeste (Hatte nur Limette zur Hand, Orange passt aber definitiv besser)

1.
Öle der Orangenschale durch drücken in einen Topf spritzen undverbleibende Öle an der Topfwand abstreichen. Mitkochen der Schale macht das Resultat zu bitter.
2. Alle restlichen Zutaten in den Topf geben.
3. Bei mittlerer Hitze simmern lassen.
4. Etwa 30 Minuten was anderes machen - Umrühren ist nicht nötig.
5. Das Kola Tonic ist fertig, wenn nur noch 75 ml Flüssigkeit übrig sind.

Zwar habe ich wirklich keinen Vergleich zu einem "echten" Kola Tonic, aber das Resultat dieses Rezepts ist sehr schmackhaft, besonders natürlich im Filmograph. Um die Aromen des selbstgemachten Kola Tonics erstrahlen zu lassen, muss das Cocktailrezept allerdings ein wenig angepasst werden und so bin ich bei dieser Version gelandet:


Filmograph Cocktail
6 cl Cognac Frapin V.S.O.P.
2 cl Zitronensaft
2,5 cl selbstgemachtes Kola Tonic

1.
Alle Zutaten mit viel Eis in den Shaker geben.
2. Kräftig schütteln.
3. In eine Cocktailschale abseihen und genießen.

Cheers!


Hier noch einpaar passende Links zu Bloggern die sich auch an diesem aromatischen Brandy Sour versucht haben:
http://www.cocktailians.com/2008/01/kola-tonic-new.html
http://www.cocktailchronicles.com/2006/10/26/running-a-tab/

Samstag, 25. Juli 2009

Schon bald nur noch in antiken Cocktailbüchern zu finden


Picture by pcarpen @ flickr


Die Liste der verlorenen Cocktailzutaten wird leider leider bald um eine Exklusivität reicher sein:

http://www.kochergmbh.de/upload/media/granini_maracuja_engpass.pdf

Ted Haigh kündigte bereits an, Solero und Hurricane in die nächste Ultimate Double Deluxe Edition von "Vintage Spirits and Forgotten Cocktails". Ich bitte um eine Schweigesekunde.
Wer noch kann: Schnell Hamsterkäufe starten und zuschlagen. In einem Monat dann für 28€ pro Liter auf eBay verkaufen.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Mein Mojito

Wenig andere Drinks sind so kontrovers wie der Mojito. Es gibt unzählig viele verschiedene Meinungen und Zubereitungsmethoden zu ihm, angefangen bei der Sorte des Eises, Limette mit ins Glas Ja/Nein, Rohrzucker oder Zuckersirup, welcher Rum, welche Minzsorte, Angostura Ja/Nein, geschüttelt oder nicht?

Und weil es so unzählig viele verschiedene Meinungen hierzu gibt, wird es wohl kaum möglich sein, jemals DAS ultimative Mojito Rezept zu finden. Geschmack ist und bleibt Geschmackssache. Nichtsdestotrotz möchte ich hier heute meine persönliche Lieblingsvariante anpreisen und auch begründen, warum ich dies oder das tue.


Um frevelhaften Mojitoausgeburten etwas vorzubeugen möchte ich dann doch die Grundformel eines jeden Mojito festhalten:

Rum, Limette, Zucker, Minze, Soda und nach Geschmack Angostura Bitters.
Punkt Aus Ende. Alles andere ist kein Mojito.

-------------------------------------------

Als erstes steht die Wahl der Minze an. Sehr mentholreiche Minzsorten wie z.B. Pfefferminze oder Schokoladenminze lassen dem restlichen Aroma der Minze wenig Raum zum entfalten. Daher halte ich mich an eher mentholarmere Sorten wie zum Beispiel die Mojito-Minze (mentha species nemorosa, erhätlich bei Rühlemann's).

Je nach Größe pflücke ich die duftenden Blätter von 2 bis 3 frisch gepflückten Zweigen vorsichtig am Blattansatz ab und gebe sie in das Gästeglas, ein Longdrinkglas mit etwa 0,3L Fassungsvolumen. Dazu gebe ich 1,5 cl Zuckersirup (Verhältnis 2:1). Der Grund, warum ich keinen Rohrzucker ins Glas gebe ist erstens, weil ich es unangenehm finde, wenn noch kleine Zuckerstückchen am Glasboden schwimmen und zweitens, weil Rohrzucker Geschmack und Farbe gibt - ich mag meinen Mojito hell und nur vom Rum aromatisiert.

Das Sirup wirkt beim folgenden Schritt als Medium um die ätherischen Öle der Minze einzufangen. Mit der Rückseite eines Barlöffels oder einem Stößel drücke ich die Minzblätter mehrmals sanft an den Glasboden. Zu starkes drücken löst Chlorophyl aus den Blättern welches bitter schmeckt. Außerdem sind kleine Blattfetzen, die im fertigen Drink rumschwimmen nicht so lecker, wenn sie den Trinkhalm hinaufgesogen werden. Daher also: Schön sorgsam mit der Minze umgehen! (Chris McMillian würde sagen: Like a woman's heart, it gives its sweetest aroma when bruised)

Zu dieser Zucker-Minz Mixtur gebe ich nun 2 cl frisch gepressten Limettensaft (ich zerstößel die Limette nicht mit im Glas, da ich finde, dass die ätherischen Öle der Limettenschale schnell die subtileren Aromen der Minze überdecken) und 6 cl Rum. Die Wahl des Rums ist nun wirklich absolute Geschmackssache. Urspünglich wird der Mojito mit kubanischem Rum wie z.B. Havana Club oder Caney zubereitet und diesen typischen kubanisch leichten Geschmack verbinden wohl auch die meißten mit dem Mojito. Während kubanische Rums einen wirklich erfrischenden Mojito ergeben bevorzuge ich manchmal auch einen ausdrucksstärkeren Mojito mit einem kräftigen weißen Rum. Hier empfehle ich Ron Cartavio Silver aus Peru. Bacardi legt nun bereits schon seit einiger Zeit durch gezieltes Marketing (siehe hier, hier und hier) Wert darauf, als der Originale Mojitorum da zu stehen. Während das wahrscheinlich besonders in den U.S.A. aufgrund des Embargos gegenüber Kuba Früchte trägt möchte ich darauf hinweisen, dass Bacardi Carta Blanca "Superior" einfach kaum nach Rum schmeckt (5-fach "tot"-destilliert) und demnach einen sehr laschen Mojito ergibt. Nicht kaufen.

Es befinden sich nun also Limettensaft, Rum, Zuckersirup und Minze im Glas. Kurz verrühren. Das Ganze fülle ich mit Eiswürfeln bis zum Rand auf, da Eiswürfel den Drink weniger verwässern als crushed ice (leider ist die Kühlwirkung dafür nicht so intensiv). Nochmals verühren um den Kühlprozess zu beschleunigen. Jetzt mit ein wenig Soda oder sehr kohlensäurehaltigem Mineralwasser auffüllen. Ein wenig bedeutet für mich maximal 4 cl.

Als Garnitur gebe ich einem Minzzweig einen leichten Klaps um den darin schlummernden Duft aufzuwecken und stecke ihn mit einem Trinkhalm ins Glas. So umspielt bei jedem Zug das Odeur frischer Minze die Nase des Trinkenden.

Um es nochmal zusammen zu fassen:

"Mojito"
60 ml Rum
20 ml Limettensaft
15 ml Zuckersirup (2:1 Zucker zu Wasser)
Minzblätter von 2 bis 3 Zweigen
Soda




Demnächst werde ich mich ein wenig mit selbstgemachtem Falernum und dazu passenden Drinks beschäftigen. Vorgreifend dazu schonmal das Rezept für einen Spiced Mojito, getrunken bei Daddy-O in Koblenz. Er benutzt dafür seinen eigenen Gewürzrum und Falernum.

"Spiced Mojito"
50 ml medium bodied Rum (z.B. Bacardi 8 Anos)
20 ml Falernum
20 ml Limettensaft
Minzblätter von 2 bis 3 Minzzweigen
Soda


Mittwoch, 22. Juli 2009

Ich vergaß

...Den eigentlichen Ursprungsgedanken für meinen letzten chaotischen Blogeintrag habe ich gar nicht erwähnt. Und gerade dieser war doch der Wichtigste. Ich habe ihn wohl einfach vergessen.

Naja.

Der wohl essenziellste Unterschied zwischen Küche und Bar, vielmehr zwischen Essen und alokoholischem Trinken ist für mich:

Essen ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen.
Der Konsum alkoholischer Getränke ist kein Grundbedürfnis, obwohl es wohl einige Ausnahmen gibt ;-)

Damit wird ein Drink zum Luxusgut. Und genau deshalb ist der Kauf einer vor Fett triefenden Portion Pommes Frites um den Hunger zu stillen in Ordnung und ein Long Island um sich mal "richtig weg zu knallen" einfach bescheuert.

In den LIDL gehen, ne Flasche Fürst Uranov Wodka für 3,49€ und O-Saft kaufen, nach Hause gehen und voll laufen lassen. Bitte, Danke! Aber nicht die Nachfrage nach schlicht und ergreifend schlechten Bars unterstützen.


P.S.: Nix gegen Long Islands, wer sie mag, der trinke sie gerne, aber wenn dann auch zum Genuss. Denn, so schlimm es klingen mag, auch ein Long Island ist Luxus.

Sonntag, 12. Juli 2009

Küche = Bar?!

Immer wieder sehe ich an der einen oder anderen Stelle den Vergleich zwischen Küche und Bar, zwischen Kochen und Mixen. Und immer wenn ich es sehe denke ich: Ne, stimmt irgendwie nicht.
Zwar gibt es Überschneidungen und sogar einen Bereich der Verschmelzung (Cuisine Style) oder einen Bereich der ursprünglich aus dem Kochen seinen Weg in die Mixologie gefunden hat (Molecular Mixology), aber es gibt doch einige Unterschiede, die den besonderen Reiz des einen und des anderen ausmachen.


Die Küche arbeitet incognito. Selten wird das Essen direkt vor unserer Nase zubereitet. Verständlich, denn Restaurantküchen strömen nicht immer den angenehmsten Duft aus. Wer schonmal in einer war, der weiss was ich meine.
Die Bar arbeitet am Gast. Somit werden Zubereitungsdarbietung, Konversation mit dem Gast und das gesamte Auftreten des Bartenders Teil der Dienstleistung, für die der Gast später eine Rechnung erhält. Wer an der Bar sitzt, kann jeden Handgriff des Bartenders beobachten. Je nach Bar steht Sauberkeit, Schnelligkeit, Raffinesse oder - Gott behüte - Jonglage im Mittelpunkt der "Show". Manchmal leider auch keins von alledem.


Die Rohstoffe der Kochkunst sind größtenteils verderblich oder auch saisonal begrenzt in guter Qualität erhältlich. Somit liegt ein großer Teil der Finesse eines Restaurants im richtigen Einkauf, der sich komplett hinter den Kulissen des abendlichen Schmauses abspielt.
In der Bar halten - ich vernachlässige frisches Obst, Milchprodukte und Säfte an dieser Stelle - einmal gekaufte Rohstoffe quasi ewig. Dies erlaubt das Führen von Raritäten die teilweise mehr als Ausstellungsstück als zum Konsum dienen.


Während die Küche größtenteils mit "naturbelassenen" Rohstoffen wie Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst arbeitet werden hinter dem Bartresen Markennamen groß geschrieben. Bartender sein bedeutet Markenbewusstsein. Jeder Spirituoseneinkauf, sei es im Supermarkt oder im Onlineshop, basiert auf Markenbewusstsein, das durch Marketing und Medien (z.B. Blogs :-D) verankert ist. Diese Eigenart der Bar hat ihre Vor- und Nachteile. Es garantiert (meist) eine kontinuierliche Qualität der Zutaten und erlaubt es, Kernmerkmale jeder einzelnen Marke festzuhalten, darüber zu diskutieren, zu zitieren, diese dem Gast darzulegen um ihm die Wahl zu erleichtern und ihm ein geborgenes Gefühl von "hier werde ich fachmännisch beraten" zu geben.
Andererseits wirkt sich das Bild einer Marke, das wir im Kopf tragen, enorm auf das geschmackliche Empfinden der tatsächlichen Flüssigkeit, die sich hinter der möglicherweise hübschen Flasche und dem imposanten Slogan verbirgt, aus. Bei einem hoch gelobten Brand stellt das Gehirn die Geschmacksnerven bereits auf Wohlempfinden ein - nur der Blindtest gibt hier wahren Aufschluss.
Was aus der Küche bei uns auf dem Teller landet, das schmeckt echt so wie es schmeckt. Lediglich das Ambiente, der Ruf des Restaurants und die Präsentation des Gerichts beeinflussen hier unser Empfinden - Aber das gilt schließlich auch für die Bar.


Abgesehen davon ist die reine Mixologie meiner Meinung nach ein sehr viel überschaubares Feld als Kochen. Die Zubereitungsmethoden von Speisen scheinen unendlich, während man sich beim Mixen von Cocktails auf etwa vier Grundmethoden beschränken kann. Ein Kochrezept liest sich sehr viel aufwendiger... Ein Cocktail? 3 - 5 Zutaten, der Rest dürfte jedem der schonmal gerührt und geschüttelt hat klar sein.


Letztendlich komme ich aber zu dem Schluss: Dies ist ein sehr weites und subjektives Feld. Ich hoffe ich habe nichts falsches gesagt und weiss gar nicht mehr so richtig warum ich das alles schreibe. Ich beende meine Ausführungen lieber an dieser Stelle...

Bis kommenden Freitag besuche ich ein Seminar und daher wird es in dieser Zeit keine Blogeinträge geben.